ABOUT ME

Fotograf Catalin Biedron

Mein Name ist Catalin Biedron, ich wurde 1983 in Rumänien geboren. Meine Neugier und die Leidenschaft zur Fotografie öffneten mir die Türen zu einer Welt, die ich nicht kannte: Menschen, die ich zum ersten Mal treffe, erzählen mir ihre Geschichten und zeigen mir die Vielfalt ihrer Traditionen und Kultur auf.

Ihr Lächeln, Wissen und ihren Alltag festzuhalten, haben mich zu einem anderen Menschen gemacht. Meine Bildersprache fokussiert sich auf den Charakter und die Würde von Mensch und Natur.

Ich erinnere mich an jeden Augenblick, in dem sie mich für einen kurzen Moment in ihre Welt entführen – und ich Teil ihrer Geschichte sein darf.

Dabei möchte ich nicht nur Beobachter sein, sondern ein Zuhörer und Zeitfänger. Jemand, der die Stimmung eines alltäglichen Augenblickes zur wertvollen Erinnerung macht.

Die Fotografie ist für mich eine emotionale Reise. Eine Reise, die mich inspiriert und ich ohne meine Kamera nicht erleben würde.

MEINE REISE INS GLÜCK

 

1989 machten sich meine Eltern mit fünf Kindern auf den Weg in eine bessere Zukunft. Als wir Rumänien verließen, war ich erst fünf Jahre alt. Wir waren erst zu Fuß unterwegs, dann mit dem Zug und dann wieder tagelang laufen, laufen, laufen… Als Kind habe ich es nicht verstanden, warum wir jetzt nicht einfach nach Hause gehen. Ich hatte das Gefühl, dass wir nie eine Pause machen. Ich bin während des Laufens einfach eingeschlafen, anschließend in den Armen meiner Mutter aufgewacht und es war Nacht.

Meine Eltern flüsterten: „Kinder, seid bitte leise, sonst nehmen uns die bösen Menschen mit“. Zu diesem Zeitpunkt waren wir an der jugoslawischen Grenze. Es ging alles so schnell. Mein Bruder war auf einmal alleine auf der jugoslawischen Seite und wir versuchten alle, ebenfalls schnell rüber zu laufen. Doch da standen sie schon, die jugoslawischen Soldaten, die ihre Waffen auf uns richteten und brüllten: „STOP! STOP! STOP!“.

Mein Vater wurde mit Handschellen abgeführt, und wir mussten alle mit. Nach ein paar Tagen ließen sie uns wieder frei. Unsere Reise ging weiter, nächste Station war Polen. Dort haben wir vier Monate zu siebt in einem kleinen Zimmer geschlafen. Doch irgendwann ging das Geld aus und der Hunger kam. Die Behörden wollten uns nicht helfen, also machte meine Mutter sich mit mir auf den Weg, um etwas zum Essen zu besorgen. Wir klingelten von Tür zu Tür und bettelten um etwas Nahrung. Viele machten einfach die Tür wieder zu, als sie uns sahen. Aber an eine Tür kann ich mich noch sehr gut erinnern: Sie öffnete sich und da stand ein Mann mit seinem Kind. Meine Mama zeigte auf ihren und meinen Bauch. Der Mann verstand sofort, was wir brauchten, ging einen Schritt zurück und bat uns herein. Während er etwas zu essen einpackte, gab sein Sohn mir ein Spielzeug, das durfte ich mitnehmen. Mit einem Lächeln verließen wir die Wohnung.

Polen war sehr hart für uns, doch meine Eltern gaben nicht auf! Wir mussten unsere Sachen packen und mussten Polen verlassen. Nächster Halt: Tschechien. Dort angekommen wurden wir in eine alte Militärkaserne gebracht, das ganze Grundstück war umzäunt mit Stacheldraht. Wir durften Monate nicht raus, aber das Gute war,dass wir genug Essen und Platz zum Schlafen hatten.

Ich weiß nicht, wie wir es nach Deutschland geschafft haben, aber wir haben es geschafft. Wir waren in Berlin. Dort habe ich zum ersten Mal einen Kindergarten besuchen dürfen.

Es waren nur geflüchtete Kinder da und ich stelle mir oft die Frage, wie die Erzieher es geschafft haben, so vielen Kindern ohne Deutschkenntnisse ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern.